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Der Handel muss sich auf ein geändertes Konsumentenverhalten einstellen

Der Handel wird sich ich auf einen stark geändertes Konsumverhalten einstellen müssen.

Wie die Erfahrungen aus der aktuellen Ostersaison zeigen, beschränken sich die Konsumenten im Moment auf lebensnotwendige Ausgaben. Das Foto ist gut 2 ½ Wochen vor Ostern entstanden und zeigt eine minimale Abverkaufsquote und gibt schon eine erste Aussicht auf künftiges Konsumverhalten. Das steht nur zum Teil mit den für Konsum verfügbaren Einkommen zu tun. Hier kommt zusätzlich der psychologische Faktor der Unsicherheit dazu.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdown werden dramatisch sein! Je länger es dauern wird, desto heftiger die Auswirkungen. Es wird leider auch im Handel mehr Unternehmen geben, die den Weg in die Insolvenz gehen müssen, als in der sowieso schon schwierigen Zeit.

Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen werden jedoch insbesondere im Handel nachhaltig zu spüren sein. Was können jetzt besonders kleine und mittelständische Händler tun?

Hier bietet sich ein 3-stufiger Rettungsplan an:

 

Notarzt-Programm: Zunächst gilt es erst einmal, den Zustand des Patienten zu untersuchen und ihn am Leben zu halten. In erster Linie also Sicherung der Liquidität. Allein das ist schon eine gewaltige Herausforderung, denn gesunde Unternehmen kommen möglicherweise sogar ohne externe Hilfe klar. Aber auch das ist endlich, denn je länger der Lockdown der Wirtschaft dauert, desto gravierender werden die Folgen für alle! Zusätzliche (KfW-)Kredite können das Überleben sichern, werden aber die zukünftigen Gewinne belasten. Die Bundesregierung hat zwar die Verpflichtung zur Anmeldung einer Insolvenz ausgesetzt, was nützt es aber, wenn die Liquidität nicht gegeben ist, weil keine Einnahmen vorhanden waren, Kosten aber entstanden und keine Reserven vorhanden sind? Dann müssen zwar die Organe die Insolvenz nicht sofort erklären, das Unternehmen ist aber trotzdem handlungsunfähig. Große Unternehmen haben dafür in der Regel die Fachkompetenz im Haus. Mittelständische oder gar kleine Unternehmen sind gut beraten sich hier schnell an qualifizierte Berater zu wenden, die interimistisch notwendige Maßnahmen erarbeiten und Gespräche mit Banken und Geschäftspartnern führen und somit dazu beitragen können, das Unternehmen überhaupt weiter führen zu können.

 

Operation und Intensivmedizin: Nachdem das Überleben des Unternehmens gesichert wurde, ist es wichtig, sich für die nahe Zukunft zu rüsten und hier zunächst eine klare Planung zu erarbeiten, die ggf. auch mit Banken und Geschäftspartnern abgestimmt werden müssen. Dabei sollten auf Basis fundierter Zahlen klare Entscheidungen getroffen werden, welche Veränderungen notwendig sind, diese vorbereitet und dann auch umgesetzt werden. An dieser Stelle ist leider kein Platz mehr für emotionale Entscheidungen und finanzielle Hobbies, die in vielen, besonders mittelständigen, Unternehmen immer noch gepflegt werden. Die Maßgabe muss hier sein: Wie zukunftsfähig Unternehmensteile, Sortimente, Produkte etc. sind. Die Bereitschaft zur Zäsur an einigen Stellen ist ein wichtiger psychologischer Faktor für Unternehmer. Auch hier helfen z. B. interimistische Berater mit einem von Unternehmenshistorie befreiten Blickwinkel, um das Unternehmen zu retten. Wenn ein Teil eines Gliedmaßes droht, den gesamten Körper zu vergiften, wird jeder Arzt zur Amputation raten. Das ist nicht schön, auch nicht für die Zukunft, hilft aber überhaupt zu überleben.

Ich habe persönlich schon erleben müssen, wie Unternehmer selbst in äußerst prekärer Situation an Unternehmensbereichen festgehalten haben, obwohl diese offensichtlich nur Verluste produziert und damit das ganze Unternehmen gefährdet haben. Diese Unternehmensteile wurden dann später übrigens vom Insolvenzverwalter geschlossen…

 

Reha-Maßnahmen: Nach der Überlebenssicherung stehen die zukünftigen Maßnahmen im Zeichen der Erholung und weitestgehenden Wiederherstellung der alten Stärken. Hier bieten sich auch Überlegungen und Maßnahmen, das Unternehmen am Markt wieder neu zu positionieren, Maßnahmen und Prozesse neu zu definieren oder optimieren. Das Besondere an dieser Situation ist, dass sie besondere Chancen bieten wird, da viele andere Unternehmen im gleichen Prozess sind und eine Erneuerung von Innen erfahren. Das hat schon oft zu unerwarteten Entwicklungen geführt. Diese Phase muss als Chance betrachtet werden, das Unternehmen wieder neu zu gestalten.

 

Alle Beteiligten mit ins Boot holen:

Ein Unternehmen ist keine autarke Insel, sondern mehr oder weniger ein soziales Wesen, das vom Kontakt mit anderen Marktteilnehmern lebt. Intern sind das sowohl Mitarbeiter*innen, als auch Geschäftsleitung und Gesellschafter/Aktionäre*innen. Extern gehören dazu Lieferanten, Kunden, Banken, Dienstleister etc.

Niemand (vielleicht mal abgesehen von boshaften Wettbewerbern) dürfte ein Interesse daran haben, dass ein Unternehmen vom Markt verschwindet, da alle Beteiligten einen Verlust erleiden würden. Demnach gehören bei kritischen Situationen alle Beteiligten mit einbezogen und können auch alle ihren Teil zur Rettung von Unternehmen beitragen. Hier gilt das Motto: „Dem Sprechenden kann geholfen werden.“

Gleichwohl wird dieser Prozess eine gewaltige Aufgabe für die Verantwortlichen in den Unternehmen, da bei allen anderen Beteiligten ähnliche oder gleiche Probleme bestehen.

 

 

Ein Hinweis noch zum Schluss: Die Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat am 03.04.2020 die nicht rückzahlbaren Förderungsleistungen für Beratungen zur Förderung unternehmerischen Know-hows auf 100% bis zu einem Höchstbetrag von 4.000 € aufgestockt. Auch die Beantragung und Bewilligung ist an weniger Auflagen geknüpft und soll somit dazu beitragen, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen sich qualifizierte Hilfe holen können.